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Geschrieben von Regine Wiemer. Veröffentlicht am 10 Dezember 2016.
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1.12.2016 Hamburg Flughafen 8.00 Uhr, wir checken ein zu einem Flug nach München, da höre ich hinter mir den Satz „Coole Tasche haben Sie da“. Ich dreh mich um und sehe vor mir einen ca 35 jährigen Mann, gutaussehend, schick angezogen, mit Businesstasche, der auf die natürlich selbstgenähte Jeanstasche für den Ebookreader meines Mannes schaut. Wir bekommen noch ein aufmunterndes Kopfnicken und der Herr eilt davon zu seinem Geschäftstermin.

In dem Moment wurde mir endgültig klar, wie sich das Ansehen der Nähbranche in den letzten 25 Jahren verändert hat.

Angefangen hat bei mir „Alles“ mit dem ersten Teddy für meinen frisch geborenen Sohn Sebastian. Das gute Stück hatte zwei völlig schiefe, ungleichmäßige Ohren, seine Schnauze brachte mich bei der Herstellung zur Verzweiflung und wenn der kleine Besitzer zu begeistert damit schmuste, fiel immer der rechte Arm ab.

Aber es war mein erstes, allein fertig gestelltes Teil, ich war unglaublich stolz darauf und es eröffnete mir den Weg in die traumhafte Zauberwelt des Nähens. Bis heute faszinieren mich die Farben, die unterschiedlichen Stoffe, Materialien, die kreativen und damit schier endlosen Variationsmöglichkeiten.

 

 

Meine Umwelt reagierte sehr unterschiedlich auf mein neues Hobby. Je nach Höflichkeitsbedürfnis der verschiedenen Menschen fielen die Kommentar auch entsprechend aus:

„Ach, so etwas omahaftes wie Nähen machst Du“ - Ich war zu dem Zeitpunkt gerade 26 Jahre alt :-)

„Super, dann kannst Du mir ja meinen Jackenreißverschluss einsetzen“ - Ganz sicher nicht!

„Nähen ist doch total trutschig“ – Sind deine Kleidungsstücke nicht auch genäht?

„Du nähst? Ist das nicht langweilig?“ Langweilig? Nein, es ist spannend, aufregend, manchmal nervenzehrend, immer wieder anders, beruhigend und aufputschend, es ist einfach sensationell!!!

Als ich dann vor Jahren den Laden eröffnete, ging es weiter:

„Wer soll denn den Stoff kaufen?“ „ Bist Du sicher? Du setzt viel Geld in den Sand!“ „Hast Du Dir das auch gut überlegt?“ Aufmunternd waren die Kommentare nicht gerade.

 

 

In der Familie war das Verständnis für meine Passion nicht unbedingt einfacher, zumindest beim Nachwuchs, meine Söhne überlegten jedes Mal, was das kleinere Übel war, eine kilometerlanger Fußmarsch zur nächsten Disko, oder mit Mutters Firmenwagen, mit dem Aufdruck „Nähen ist billiger als Therapie“ zu fahren.

Ich hatte während der Zeit immer ein bisschen das Bedürfnis an mir runterzuschauen, ob ich vielleicht aus Versehen mit Dutt und grauem Faltenrock dem Vorurteil entspreche.

Aber auf einmal drehte sich die Stimmung, es hieß jetzt vielleicht nicht mehr unbedingt Nähen, sondern „versteckte“ sich mit unter den drei Buchstaben DIY – Do it Yourself, aber es war auf einmal „up to date“ zu werkeln, zu sticheln und mit der Hand zu arbeiten.

Einen großen Anteil haben daran bestimmt die sozialen Medien. Videos auf YouTube, Facebookseiten, Pinterest bieten einen fast unerschöpflichen Zugang zu Anleitungen, Ideen und Vorschläge. Share – follow – tweet – macht eine engere Vernetzung der Nähfans erst richtig möglich. Noch vor drei Jahren hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass Fernsehsendungen wie „geschickt eingefädelt“ über den Bildschirm flimmern.

Meine lieben hippen, up to daten Nähschwestern und –brüder: wir sind aktuell, schwimmen im modernen Livestream mit, sind hochmodern, en vogue und mitten im aktuellen Zeitgeist.

Aber das allerwichtigste, Modeströmung hin oder her :-)………….. Nähen macht heute noch genauso viel Spaß wie früher, als es noch „peinlich“ war.

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Regine Wiemer

Autor: Regine Wiemer

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Kommentare   

# Marion Arlt 2017-01-17 11:56
Das ist echt ein schöner Bericht :-) Und er gibt so viel wieder von damals und heute. Ich liebe mein Hobby
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